Ottilia im Schlaraffenland
Es war Oktober 2010 als Anke mir von Ottilia erzählte. Wir hatten uns gerade kennengelernt und entschieden demnächst gemeinsam mit der Pfotenhilfe Ungarn möglichst viele Tiere in eine schöne Zukunft zu schicken.
Kurz darauf kam eine Email mit dem Betreff „Ottilia“. Als ich sie las kamen mit die Tränen. Eine schöne Hündin aus Ungarn, der man mit einer Eisenstange ihr linkes Auge herausgeschlagen hatte.
Der kalte Winter stand bevor und ich hatte mir in den Kopf gesetzt diesem Hund zu helfen. Sofort versuchten wir hier einen schönen Platz zu finden, leider ohne Erfolg.
Dann sagte mein Vater, Marco Lenzen, „lass sie kommen, wir finden einen Platz für sie. Wir machen uns doch Vorwürfe, wenn sie in Ungarn erfriert.“
Es war nicht nur die Kälte, ihre Wunde wurde schlecht versorgt und drohte sich schlimm zu entzünden.
Also rief ich Anke an und erzählte ihr davon. Sie war sofort bereit uns zu vertrauen und Ottilia kommen zu lassen. Am 23. Oktober war es dann soweit und der Transporter aus Ungarn brachte Ottilia zu uns.
Sie war ein sehr ruhiger Hund, ließ sich aber sofort anfassen. Schon auf der Autofahrt nach Hause hörte sie nicht auf meine Hand abzulecken, so dankbar. In den kommenden Tagen hat sie sich langsam bei uns orientiert und auch unsere anderen Hunde haben sie schnell aufgenommen.
Ihr Auge wurde toll operiert und es sieht nun so aus, als würde sie uns zuzwinkern.
Inzwischen nennen wir sie Tilly und sie ist zu einem richtigen Kraftpaket geworden. Spaziergänge mit ihr werden zum Krafttraining, aber es ist schön sie so zu sehen. Tilly ist angekommen. Selten habe ich gesehen, dass ein Hund so schnell so glücklich wurde.
Alle Weihnachtsplätzchen hat sie mir vom Tisch geklaut, aber man kann ihr einfach nicht böse sein, wenn dieser schwarze Engel einem zuzwinkert.
Jolie hat nun ihr eigenes Schloss
Es war Anfang November als uns eine Email erreichte. „Dringend Hilfe benötigt ! Diese Pudeldame soll am kommenden Samstag getötet werden“
Sie saß in einer Tötungsstation in Belgien. Auf dem Bild mit schlechter Qualität waren ihre Augen kaum erkennbar, es war nur ein schwarzes Knäuel zu sehen.
Zögern war nicht angebracht und so antwortete Marco Lenzen „Sie kommt zu uns, der LESIA e.V kümmert sich um sie. Sie darf nicht sterben.“
Dann war es so weit. Sie wurde aus dem Tierheim in der Nähe von Brüssel geholt und zu uns gebracht.
Da kam das kleine Knäuel, viel kleiner als wir sie erwartet hatten. Als wir ihre Haare zur Seite nahmen und zum ersten mal ihre kleinen Augen sahen, was klar, wir waren glücklich, dass sie bei uns ist.
Die kleine Maus hatte noch keinen Namen und nach einer Jolie („Schöne“) sah sie noch nicht aus. Total verfiltzt und hatte sich ein wenig eingemacht und roch auch dementsprechend.
Eine Dame mag das natürlich nicht und so wurde sie erst einmal gewaschen und entfiltzt. Sie schien das zu kennen, denn sie genoss es sehr.
Nun war sie Jolie. Der nächste Schritt war ihr faustgroßer Knoten in der Gesäugeleiste. Schnell musste Jolie operiert werden. Während der OP wurde ein weiterer Knoten unter der Zunge festgestellt und die kleine Dame kastriert.
Das ganze hatte sie ziemlich mitgenommen und sie musste eine Nacht auf der LESIA Station verbringen, durfte aber schon am nächsten Morgen wieder in ihr Schloss.
In dieser Nacht haben wir sie so vermisst, danach war klar, sie muss bei uns bleiben. In den nächsten Wochen wurde sie immer kräftiger und schon langsam frech.
Wenn die belgische Prinzessin ihren Willen nicht kriegt oder nicht auf dem Schoss sitzen darf, fängt sie an zu schreien. Und dann kann man ihr einfach nicht widerstehen.


